Aus der KirchenZeitung: Hilfe gefordert

Katholiken- und Flüchtlingsrat Heinsberg wenden sich an Regierung

Flüchtlinge_Lesbos (c) Wikimedia Commons
Datum:
Do 8. Okt 2020
Von:
KirchenZeitung, Ausgabe 41/2020 | Garnet Manecke

Nach dem verheerenden Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos haben viele humanitäre Organisationen gefordert, die Flüchtlinge in Europa aufzunehmen. Auch der Katholikenrat der Region Heinsberg und der Flüchtlingsrat Heinsberg e. V. fordern die Bundesregierung auf, den Flüchtlingen sofort zu helfen.

Die Bilder zeigen die ersten 1000 Flüchtlinge, wie sie in Deutschland landen: unbegleitete Minderjährige und kranke Kinder mit ihren Familien. 1000 von etwa
13000 Kindern, Frauen und Männern, die durch den Brand sogar die Plastikplane über ihrem Kopf verloren haben. Diese Menschen weiter in einem Zeltlager ihrem Schicksal zu überlassen, sei ein unhaltbarer Zustand, kritisieren der Katholikenrat der Region Heinsberg und der
Flüchtlingsrat Heinsberg. Sie fordern, dass den Flüchtlingen umgehend geholfen wird. „Wir verlangen von der Bundesregierung, hier und jetzt voranzugehen und nicht auf eine gesamteuropäische Lösung zu warten“, heißt es in dem Schreiben. „Es ist nicht erkennbar, dass eine tragfähige Koordination innerhalb der europäischen Staaten in absehbarer Zeit zustandekommt. Aber die betroffenen Menschen brauchen jetzt eine tragfähige
Perspektive.“
Dabei sieht der Katholikenrat nicht nur die Bundesregierung in der Pflicht. Auch von der Bistumsleitung in Aachen wünscht er sich als klares humanitäres Zeichen die Zusage, Flüchtlinge aufzunehmen. Das vermisse er bisher. „Die Sprachlosigkeit verblüfft mich immer wieder“, sagt Lutz Braunöhler, Vorsitzender des Katholikenrats der Region Heinsberg.

Die Bundesregierung habe auf das Schreiben der Räte bisher nicht geantwortet, sagt Braunöhler. „Aber im Bundeskanzleramt kommen ja jeden Tag solche Schreiben an“, sagt Braunöhler. Der ebenfalls angeschriebene Heinsberger Bundestagsabgeordnete Wilfried Oellers hat in seiner Antwort seine Zustimmung für das Anliegen signalisiert. „Gegenüber dem Innenminister haben wir darauf hingewiesen, dass Deutschland nicht dabei stehen bleiben darf, auf die anderen europäischen Länder zu warten“, heißt es in dem Antwortschreiben. „Das mag eine legitime Argumentation sein, wenn es etwa um Fragen europäischer Finanzen oder Besteuerung geht, nicht aber in einer humanitären Notlage, die sich täglich weiter zuspitzt.“

Einige Kommunen haben sich schon zur Aufnahme von Flüchtlingen bereit erklärt
So sehen es Katholiken- und Flüchtlingsrat auch. Zumal sich einige Kommunen im Rahmen des Bündnisses „Städte Sicherer Häfen“ zusammengeschlossen und zur Aufnahme der geflüchteten Menschen bereit erklärt haben. Die Aufnahmekapazitäten seien vorhanden und ohne großen Aufwand nutzbar.