Reisebericht:Unsere Ausstellung „Tana“ in Kolumbien und ein neues Projekt mit den Pijao

Zentrales Anliegen der Reise war es, die Fotoausstellung „Tana – das Wasser der indigenen Pijao“ nach Kolumbien zu bringen und dort einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Gleichzeitig besuchten wir die indigene Pijao-Gemeinde Kiloka Playa Verde: Eine Gemeinde, die Teil und Ideengeberin sowohl für die Ausstellung als auch für ein neues gemeinsames Projekt des Diözesanrates und Concern Universal ist.
Die Ausstellung wurde am Samstag, den 17. Januar 2026, an einem besonderen Ort in Ibagué eröffnet: dem historischen „Panóptico“, einem ehemaligen Gefängnis, das bis in die 2000er-Jahre zur Inhaftierung politischer Gefangener und Akteure des Bürgerkriegs genutzt wurde. Heute beherbergt das Gebäude eine Dauerausstellung zur Geschichte des Bundesstaates Tolima, insbesondere zur indigenen Vergangenheit der Region. Damit bildet das Panóptico einen ebenso symbolträchtigen wie passenden Rahmen für unsere Ausstellung.
Rund 80 Fotografien in Schwarz-Weiß und Farbe in unterschiedlichen Formaten bilden den Kern der Ausstellung. Sie thematisieren den Kampf der Indigenen um ihr Land, um sauberes Wasser, um ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben und um den Erhalt ihrer Kultur. Besonders eindrücklich wird dies am Beispiel von Kiloka Playa Verde: Mitten im Gebiet der Gemeinde befindet sich eine Ölförderanlage, die seit vielen Jahren gegen den Willen der Pijao betrieben wird.
Zur Ausstellungseröffnung kamen etwa 120 Gäste aus Politik, Kultur und dem universitären Umfeld Ibagués. Als wichtigste Gäste konnten wir die rund 40 Vertreter*innen der Pijao begrüßen, die selbstbewusst und stolz mit Medienvertreter*innen ins Gespräch gingen. Viele von ihnen äußerten ihre Dankbarkeit darüber, dass ihre Perspektiven, Sorgen und Forderungen durch die Ausstellung sichtbar und gehört werden.
Die Ausstellung erfährt derzeit ein großes mediales Echo im gesamten Bundesstaat Tolima. Zahlreiche Radiosender und Zeitungen berichten, und auch das Museum selbst leistet intensive Pressearbeit. Dadurch erreicht die Ausstellung nicht nur vor Ort, sondern auch in den sozialen Medien eine hohe Aufmerksamkeit.
Bis zum Ende der Ausstellung Mitte März bietet Concern Universal in Kooperation mit dem Museum wöchentliche Begleitveranstaltungen an. Dabei werden unterschiedliche Zielgruppen eingeladen, sich mit den Themen der Ausstellung auseinanderzusetzen.
Nach dem Abbau der Ausstellung geht diese in den Besitz der indigenen Gemeinde über. Die Gemeinde plant, die Fotografien im Juni/Juli in Ortega erneut in einer eigenen Ausstellung zu zeigen. Der Bürgermeister hat ihnen hierfür die Nutzung der öffentlichen Bibliothek angeboten.
Ein weiteres wichtiges Ziel der Reise waren Absprachen mit Concern Universal und der Gemeinde Kiloka Playa Verde zu unserem neuen gemeinsamen Projekt. Mit diesem zweijährigen Projekt unterstützt der Diözesanrat die indigene Gemeinde bei ihrem Kampf um ihr Territorium und um ihre kulturelle Identität. Geplant sind Bildungs- und Unterstützungsangebote, insbesondere für Kinder und Jugendliche sowie für Frauen. Zudem soll eine weitere Gruppe juristisch gestärkt werden, um etwaige erste Schritte gegen das ortsansässige Ölunternehmen vorbereiten zu können. Wir rechnen bei diesem Projekt mit einem „Schmetterlingseffekt“ auf weitere indigene Gemeinden in der Region.
Darüber hinaus nutzten wir die Reise, um das Resguardo der Pijao näher kennenzulernen. Das eigentliche Resguardo Kiloka umfasst lediglich 10,8 Hektar und ist damit sehr klein, um 43 Familien mit rund 900 Menschen dauerhaft zu ernähren. Deshalb bemüht sich die Gemeinde derzeit, zusätzliches Land zu erwerben. Auf den vorhandenen Flächen, besonders den höhergelegenen Bereichen, erwirtschaftet sie auf kleinstem Raum vielfältige landwirtschaftliche Produkte wie beispielsweise Mangos, Kaffee, Kakao, Zuckerrohr, Kochbananen, Mais, weiteres Gemüse und hält Geflügel. Vieles dient der Selbstversorgung und die Überschüsse werden auf den umliegenden Märkten verkauft. Das alles bestimmende Thema bleibt jedoch Wasser: So muss zum Beispiel jeder Liter sauberes Trinkwasser im Supermarkt gekauft werden.
Auf dem Gebiet der Gemeinde befindet sich zudem ein für die Pijao spirituell bedeutsamer Ort: der Eingang zu einer Höhle, in der seit Generationen Gemeindemitglieder beerdigt wurden. Dieser Ort gilt als heilig. Schon während der Kolonialzeit diente die Höhle als Versteck vor den Spaniern, später auch als Rückzugsort während des Bürgerkriegs. Heute ist sie aus Sicherheitsgründen teilweise zugeschüttet und nicht mehr zugänglich.
Zwei intensive Tage verbrachten wir gemeinsam mit den Pijao, in denen wir uns kennenlernen und wichtige Fragen zur zukünftigen Zusammenarbeit klären konnten.