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Stärkung der Partnerschaft durch intensiven Austausch und Begegnung

Kolumbianische Partner-Delegation zu Besuch im Bistum Aachen und in Berlin

Delegationsreise (c) Oliver Bühl
Delegationsreise
Datum:
Fr. 10. Juni 2022
Von:
Diözesanrat Aachen

Vom 28. April bis zum 15. Mai 2022 fand die Delegationsreise aus Kolumbien im Bistum Aachen statt. Seit mehr als zwei Jahrzehnten besteht eine enge Partnerschaft zwischen dem Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen und der NGO Fundación Concern Universal Colombia mit Sitz in Ibagué, Tolima. Im Jahr 2018 erhielten Siobhan McGee und Jaime Bernal González als Leiterin und Projektkoordinator von Concern stellvertretend für die Organisation den Aachener Friedenspreis.

Concern Universal unterstützt in Projekten die Arbeit der indigenen Ethnien Pijao und Nasa We’sx sowie ehemaliger FARC-Mitgliedern im Süden des Tolimas, die nach dem Friedensvertrag von 2016 in die Zivilgesellschaft zurückgekehrt sind. Dabei geht es immer um die Entwicklung und das Voranbringen des Friedensprozesses und den Aufbau einer friedlicheren Zukunft. Dementsprechend gestaltete sich die Zusammensetzung der Delegationsgruppe: Zu ihr gehörten neben Siobhan McGee und Jaime Bernal von Concern Universal als Indigenen-Vertreter Wilson Alexander Vera Bucuru und José Bernardo Largo Perdomo sowie die zwei ehemaligen FARC-Mitglieder Sandra Mireya Barrios Delgado und Gustavo Bocanegra Ortegón. 

Der Delegationsbesuch stand vor allem unter den Themen Versöhnung, Erinnerungskultur, Umgang mit Opfern und Täter*innen und der Suche nach Möglichkeiten, in einer solchen Partnerschaft den Friedensprozess in Kolumbien zu begleiten. Dazu fanden Gespräche mit Politiker*innen und ehrenamtlich Engagierten im Bistum Aachen und in Berlin statt. Neben verschiedenen Erfahrungsberichten der Gäste zum Friedensprozess im Land zu gab es Zeit zum Kennenlernen sozialer und ökologischer Projekte im Bistumsgebiet sowie von deutscher und rheinischer Geschichte und Politik. 

Auf der diesjährigen Dialogtagung des Diözesanrats am 07. Mai mit dem Titel: Das Ungerechtigkeitsvirus. Die Pandemie als Katalysator sozialer Ungleichheit in Kolumbien und Deutschland“ kam es zu interessanten Diskussionen zwischen den kolumbianischen und deutschen Teilnehmenden. 

Durch die vielen persönlichen Begegnungen und Austauschmöglichkeiten während der Delegationsreise wurde die Partnerschaft erneut gestärkt. 

Weitere Infos zu den Delegationsmitgliedern:

Siobhan Mary McGee, Direktorin und Gründerin der Stiftung Concern Universal Colombia arbeitet gemeinsam mit ihrem Mann Jaime Daniel Bernal González seit 27 Jahren mit Kindern, Jugendlichen, Opfern des Bürgerkrieges, Frauen, Indigenen, der Landbevölkerung und verschiedenen sozial benachteiligten Gruppen an einem friedlicheren Zusammenleben aller in Kolumbien. Die Stiftung hat ihren Sitz in Ibagué der Hauptstadt des Departements Tolima. Ihre Projekte sind aber im gesamten Departement angesiedelt. Der Süden von Tolima gilt als Ursprungs- und Gründungsregion der FARC und ist gleichzeitig das Territorium der indigenen Bevölkerungsgruppen der Pijao und Nasa We’sx. In den letzten Jahren hat Concern Universal vor allem Projekte mit diesen beiden Ethnien und mit ehemaligen FARC Kämpfer*innen in Süd-Tolima durchgeführt. Ziel aller Aktivitäten die Entwicklung und das Voranbringen eines nachhaltigen Friedensprozesses.

Wilson Alexander Vera Bucuru ist ein Vertreter der Pijao und hat in den letzten Jahren immer wieder auch in Projekten von Concern Universal mitgearbeitet. Dabei ging es vor allem um die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und den Erhalt, die Stärkung der eigenen kulturellen Identität und die Rechte der indigenen Bevölkerungsgruppen. Die Pijao leben in sehr prekären Verhältnissen und ihr Alltag wird stark geprägt durch die Auswirkungen des Klimawandels, Landraub und illegalen Bergbau. 

José Bernardo Largo Perdomo ist Gobernador (Führungsperson) einer Nasa-We’sx-Gemeinde. Die Nasa waren die ersten, die als indigene Ethnie schon in den 1990er Jahren einen Friedensvertrag mit der FARC geschlossen haben. Dieser Vertrag entstand vor allem auf Druck der Frauen und Mütter der Nasa, die keine weiteren Kinder und Männer im Krieg verlieren wollten. Dieser Friedensvertrag wurde den Nasa als Kollaboration ausgelegt, wodurch sie zum Ziel von Angriffen durch Paramilitärs und die Regierung wurden. Heute leben die Nasa in direkter Nachbarschaft zu einem FARC-Demobilisierungs-Camp in Planadas und versuchen dort, in verschiedenen Projekten mit den ehemaligen FARC-Kämpfer*innen an einer friedlicheren Zukunft zu bauen. Auch sie leiden unter den Auswirkungen des Klimawandels und neuerdings auch wieder unter den zunehmenden Aktivitäten von Paramilitärs, Dissidenten und Drogenbanden.

Sandra Mireya Barrios Delgado und Gustavo Bocanegra Ortegon sind ehemalige FARC-Mitglieder und engagieren sich heute an vielen Stellen in ihrem Umfeld für die Einhaltung des Friedensvertrages und für dessen Umsetzung.

Delegationsreise

Fr. 10. Juni 2022
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