Aus der KirchenZeitung: Die Hoffnung an der Kante

Die Proteste gegen die Zerstörung der Natur zum Kohleabbau bei Lützerath gehen weiter

Hambacher Tagebau (c) Von Johannes Fasolt - Eigenes Werk, inspired by Ulrike, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1052284
Do 30. Jul 2020
KirchenZeitung Aachen, Ausgabe 30/2020 | Garnet Manecke

Wer von Wanlo aus nach Erkelenz will, muss nun entweder die Autobahn nehmen oder sich seinen Weg durch Keyenberg und die angrenzenden Dörfer suchen. Denn die L277 zwischen Keyenberg und Lützerath ist fast abgerissen. Die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“, KlimaschützerInnen und KohlegegnerInnen setzen ihren Protest gegen den Tagebau fort.

Die Bagger sind zum Greifen nah. Hinter zwei Feldern ragen die Schaufeln empor in den Himmel. Schranken hindern Neugierige am Weitergehen. Das wäre auch zu gefährlich. Wenn auch immer wieder bei Protesten Tagebaugegner in den Tagebau eindringen, um Bagger zu besetzen. Beim Gottesdienst aber dringt keiner in den Tagebau ein. Mit dem Baggern in Sichtweite wird gemeinsam gesungen, gebetet, gehofft und gekämpft.

„So müssen sich die Entmutigten auf dem Weg nach Emmaus gefühlt haben: Die so nah erscheinende neue befreite Welt scheint mit der Kreuzigung Jesu zerstört. Doch dann erkennen sie ihn als den Auferstandenen, als den Aufständischen mitten unter ihnen. Es ist eben nicht alles verloren – es geht weiter!“, sagt Benedikt Kern vom Institut für Theologie und Politik Münster. „Auch in Lützerath ist noch nicht alles verloren, lasst uns inspiriert und erfüllt von diesem aufständischen Auferstandenen an diesem hoffnungslosen Ort die Hoffnung feiern!“ Mit diesen Worten hat er zum Gottesdienst an der Kante eingeladen.

Regelmäßig finden Gottesdienste an der Tagebaukante statt. Die Protestierenden, von denen einige vor Ort in Zelten übernachten, bauen darauf, dass der stete Tropfen den Stein höhlt. „Der Hambi bleibt“, nennt Kern ein prominentes Beispiel für den Erfolg von Protesten der Klimaschützer. „Ich glaube, dass wir diesen Kampf gewinnen können.“

Schon eine Woche zuvor sprachen sich die Menschen gegenseitig Mut zu, als sie vor dem Bagger standen, der mit dem Abriss der L277 zwischen Keyenberg und Lützerath begann. Heute liegen hinter den Absperrungen die Trümmer der ehemaligen Landstraße. Von der fehlenden Unterstützung der Bistumsleitungen in Aachen und Köln zeigen sich die Protestierenden enttäuscht: „Die Bischöfe von Köln und Aachen haben unsere Petition noch nicht einmal angenommen“, sagt Conny Semmel.

Ganz alleingelassen von der katholischen Kirche, die ihre Gebäude in den Dörfern bereits an RWE verkauft hat, werden die Protestierenden allerdings nicht. Zu den Erstunterzeichnern der Petition, die sich an die Deutsche Bischofskonferenz wendet, gehören auch Katholiken. Auffallend ist jedoch, dass nur wenige aus dem Bistum Aachen stammen. Auch der Geistliche, der mit den Demonstranten am Vorabend zum Beginn der Abrissarbeiten den Ökumenischen Gottesdienst gefeiert hat, kam nicht aus dem Bistum Aachen, sondern aus Münster.

Weitere Infos und die Petition sind im Internet unter www.kirchen-im-dorf-lassen.de abrufbar.