Aus der KirchenZeitung: Alle in einem Boot

„Spectrum“ wirbt mit einer kleinen Arche für Arbeitslosenprojekte

Arche (c) Arche
Do 14. Mai 2020
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 20/2020 | Andrea Thomas

Am zweiten Maiwochenende fand die bistumsweite Solidaritätskollekte für Menschen ohne Arbeit statt. Wie immer und doch nicht wie immer, denn Solidarität hat dieser Tage noch mal eine neue Bedeutung bekommen. Wir sitzen sprichwörtlich alle in einem Boot. Kurzarbeit, Verdienstausfall, drohender Jobverlust, Existenzängste, das betrifft plötzlich nicht nur die anderen, sondern kommt vielen von uns ganz nahe.

Und rücke auch noch mal in den Blickpunkt, was das für Menschen bedeutet, die seit vielen Jahren keine Arbeit mehr haben, sagt Monika von Bernuth. Sie hat mit Beschäftigten aus den Werkstätten von „Spectrum“, dem Qualifizierungsträger des Rheinischen Vereins, der mit langzeitarbeitslosen Menschen in besonders schwierigen Lebenssituationen in Aachen und der Städteregion arbeitet, eine kleine Arche aus Holz gebaut. Sie stehe für einen Schwerpunkt ihrer Arbeit, „neue Perspektiven und Wege aufzuzeigen und zu wagen“, sagt sie. Und auch dafür, dass sie mit ihren Projekten der Natur wieder etwas zurückgeben wollten.

Mit dem Soli-Kollekten-Wochenende ist die Arche in der Kirche St. Peter und Paul Eschweiler „vor Anker gegangen“. Einen Samstagvormittag lang stand sie auf dem Marktplatz, um für die Projekte und die Arbeit von „Spectrum“, aber auch aller anderen Arbeitsloseninitiativen in der Region zu werben. Inzwischen ist sie in die Kirche umgezogen inklusive rotem Teppich, der zum Eingang der Arche führt. Der hatte wegen coronabedingter Lieferverzögerung beim Außentermin gefehlt. Das Holzboot bietet Platz für fünf bis sechs Personen, die hier miteinander in einen Austausch kommen können sollen. In Zeiten von Corona reduziert sich dies nun auf Zweiergespräche mit der erforderlichen Distanz. Trotzdem tut dies gut, denn Begegnung, das unterstreicht auch Monika von Bernuth, ist eines der Dinge, die uns gerade besonders fehlen. „Zwar geht wieder das eine oder andere, aber echtes Begegnen bleibt schwierig. Alles ist kürzer und mit Abstand.“ Auch sie versuchten, irgendwie in Verbindung zu bleiben mit ihren Leuten. Zum Beispiel über „Zuversichtstüten“, als Ausgleich für die derzeit geschlossenen Tafeln.

Reicht die Solidarität für die Zukunft?
Sich isoliert und ausgegrenzt fühlen, für die meisten von uns war und ist das eine neue Erfahrung, für langzeitarbeitslose Menschen ist das oft Alltag. Ebenso wie das Ringen darum, dem Tag eine Struktur zu geben, wenn man ihn selbst organisieren muss. Dazu kommt die Sorge um die Zukunft. Alles Dinge, die jedem von uns gerade näher sind als in Nicht-Krisen-Zeiten. Neben der Versinnbildlichung, dass wir alle in einem Boot sitzen, wirft die kleine Arche aber auch viele Fragen auf: Haben alle in unserer „Arche“ (Gesellschaft) Platz? Kommen wieder ruhigere Zeiten oder doch die nächste Welle? Was wird sein, wenn die Flut abflaut? Reicht unsere Solidarität mit Menschen, die benachteiligt sind, darüber hinaus? Können wir die Chance, die in der Krise liegt, nutzen und neu miteinander anfangen?

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