ZdK-Präsidentin Dr. Irme Stetter-Karp steuerte Domgedanken bei:Europa und Deutschland in Zeiten multipler Krisen: Wie gestalten Christ*innen mit klarem Kompass Gesellschaft mit?

Zum einen steht die Aachener Kathedralkirche wie kaum eine andere für den europäischen Zusammenhalt. Zum anderen gab es eine enge Verbindung zwischen dem Laienkatholizismus und dem verstorbenen Aachener Bischof Dr. Klaus Hemmerle. Er pflegte als Geistlicher Direktor und Assistent des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) mehr als 25 Jahre lang den Dialog auf Augenhöhe und trat glaubhaft für eine Kirche ein, die mitten in der Gesellschaft steht und sich für bedrängte Menschen am Rande einsetzt.
Für eine solche Programmatik steht auch Dr. Irme Stetter-Karp, sieht sich da bestärkt durch die wegweisenden Worte von Papst Franziskus, die in manchen Aspekten auch von Papst Leo aufgegriffen werden. Im Aachener Dom warb sie dafür, der schleichenden Aushöhlung und Zerstörung des freiheitlichen, demokratischen und solidarischen Zusammenhaltes eine christliche Haltung entgegenzusetzen. Was es in all den Ungewissheiten, Überforderungen und Umbrüchen brauche, sei ein gemeinsam getragener Kompass.
Die ZdK-Präsidentin ließ keinen Zweifel daran, dass Richtschnur für diesen Kompass die Botschaften des Evangeliums und der Grundrechtskatalog des Grundgesetzes sein müssen. Sie forderte auf, nicht hilf- und wehrlos hinzunehmen, wenn die zivilisatorischen Errungenschaften durch demokratiefeindliche Kräfte und Akteure geschliffen werden. Dr. Irme Stetter-Karp warnt vor einem Prozess wie vor der Machtübernahme der NSDAP, in dem Schritt für Schritt Grundrechte diskreditiert und eingeebnet wurden.
Der prominente Gast lud ein, dieser heute einsetzenden schleichenden Entwicklung bewusst etwas entgegenzusetzen. Die ZdK-Präsidentin sieht die christlichen Kirchen und mit ihnen die Menschen, die sich dort engagieren, in der Verantwortung. Sie können zum Beispiel Räume aufmachen, welche dringend benötigte Begegnungen über die eigenen Blasen hinaus ermöglichen. Diese Orte fehlen heute, wo sich selbst verstärkende selbstreferenzielle Echokammern das Bild des gesellschaftlichen Diskurses dominieren.
Dompropst Rolf-Peter Cremer bekräftigte als langjähriger Geistlicher Assistent des Diözesanrats der Katholik*innen im Bistum Aachen, dass der Laienkatholizismus mit seinen Mitgliedsverbänden und Räten die wichtige Nahtstelle zwischen Gesellschaft und Kirche darstellt. Die dort engagierten Christ*innen können ihren Beitrag zur Mitmenschlichkeit leisten, die uns im Zeitalter multipler Krisen verloren zu gehen droht, umriss Dr. Jürgen Linden, Vorsitzender der Europäischen Stiftung Aachener Dom, die Botschaft dieses Abends.