Zeit für Trauer und Klage

Der Termin für die Profanierung von Heilig Geist Keyenberg macht den Abbruch der Kirche endgültig

In ihrer Predigt sprach die Theologin Cornelia Senne von Trauer und ohnmächtiger Wut. (c) Garnet Manecke
Datum:
Di. 26. Jan. 2021
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 04/2021 | Garnet Manecke

Die Entwidmung einer Kirche ist für die Gläubigen ein schmerzhafter Vorgang. Ein Trost kann es sein, wenn die Kirche danach weiter genutzt wird. Im Fall von Heilig Kreuz Keyenberg bleibt der Gemeinde dieser Trost verwehrt. Denn die Kirche wird, wie das ganze Dorf, dem Tagebau weichen. Im Rahmen eines Gottesdienstes haben einige Menschen aus Keyenberg und der weiteren Region ihren Protest ausgedrückt.

Das gelbe Kreuz und die in Grün gewandete Madonna gehören zu den Gottesdiensten. (c) Garnet Manecke

Solange der Termin für die Profanierung von Heilig Geist noch mit den Worten „irgendwann im ...“ genannt wurde, konnte man sich der Hoffnung hingeben, dass es ein „irgendwann im Nie“ sein würde. Aber die immer näher rückenden Bagger, der Bau des neuen Gemeindezentrums im neuen Ort nordöstlich von Erkelenz und der Abbruch der L277 machten immer deutlicher, dass das Schicksal des Immerather Domes auch die Keyenberger Kirche treffen würde. Mit der Nachricht, dass Heilig Geist am Sonntag, 21. März, in einem feierlichen Hochamt entwidmet wird, wurde der Termin konkret und damit jede Hoffnung vernichtet. Um der Wut, dem Schmerz, der Trauer und dem Protest Raum zu geben, lud die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ am Wochenende zu einem Gottesdienst im Schatten von Heilig Geist ein.

Die Wut richtet sich gegen die Leitung des Bistums Aachen und gegen den leitenden Pfarrer der GdG Christkönig, zu der Heilig Geist Keyenberg gehört. Warum macht die Kirche sowas, habe ihre achtjährige Tochter gefragt, berichtet eine Frau, die ihren Namen nicht veröffentlicht sehen möchte. Sie hat Angst vor Repressalien, weil sie einen Termin beim Amtsgericht hat. Dass das Kirchengebäude an RWE verkauft wurde und dieser Verkauf nicht rückgängig gemacht wurde, nimmt sie zum Anlass, aus der katholischen Kirche auszutreten. „Die Kirche könnte es verhindern, dass die Dörfer abgebaggert werden“, ist sie überzeugt.

 

Die Menschen wehren sich, trotz der aussichtslosen Situation

Im Nachbardorf Lützerath wurde schon mit dem Abbruch der Häuser begonnen. In Keyenberg stehen viele Häuser bereits leer, die früheren Bewohner sind schon in den neuen Ort oder ganz woanders hingezogen. Wenn man durch den Ort geht, fallen einem die geschlossenen Hoftore und die heruntergelassenen Rollladen an vielen Gebäuden auf. Auch das Haus direkt neben der Kirche, an dem vor zwei Jahren noch die Geranien in den Blumenkästen blühten, ist unbewohnt.

Trotz der aussichtslosen Situation wehren sich viele Bewohner gegen den letzten Schritt, das Dorf zu verlassen. Von Kirche und Politik fühlen sie sich im Stich gelassen. Trotz Klimawandel, trotz Gutachten über Emissionen und Energiegewinnung wird an den vor über 40 Jahren beschlossenen Plänen zum Tagebau festgehalten. An diesem kalten Sonntagmorgen werden im Schatten von Heilig Geist  besonders die Kirchenvertreter dafür angeklagt. „Ich dachte immer, die Aufgabe der Priester sei die Seelsorge. Aber was hat der Pfarrer noch mit Seelsorge zu tun?“, fragt eine Frau in die Gruppe.

Als Pfarrer Werner Rombach 2007 sein Amt in Erkelenz übernahm, trat er ein schweres Erbe an. Zu dem Zeitpunkt stand schon fest, dass mehrere Dörfer dem Tagebau weichen sollten. Neben Keyenberg sind das Ober- und Unterwestrich, Kuckum, Berverath und Lützerath. Die Gemeinden gehörten zu St. Maria und Elisabeth Erkelenz, die 2015 mit 
St. Lambertus Erkelenz zur Pfarrei Christkönig fusionierte.

Ursprünglich stand auch Holzweiler auf der Liste. 2014 traf die damalige Rot-Grün-Regierung die Entscheidung, dass der Tagebau nicht wie geplant realisiert werden sollte. Das Gebiet wurde verkleinert, Holzweiler durfte bestehen bleiben – die Dörfer drumherum allerdings nicht. Holzweiler wird bald ein Dorf an der Abbruchkante sein. So wie ein paar Kilometer weiter Wanlo, das zu Mönchengladbach gehört. „Heute ist die Zeit zu trauern und zu klagen“, sagte die evangelische Theologin Cornelia Senne. Die Zeit wird wohl noch etwas andauern.