Wir sind Anwälte des Friedens, nicht der Gewalt

Diözesanrat Aachen unterstreicht die integrative Kraft der Religionsgemeinschaften in Deutschland

Flüchtling (c) www.pixabay.com
Datum:
Mo. 27. Juni 2016
Von:
Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen
Populistische Parteien und Parolen rücken im Zuge ihrer Hetze gegen Flüchtlinge die Religion in den Fokus. Insbesondere wird der Islam als pauschale Gefahr für inneren Frieden und nationale Identität diffamiert.

Für die Abschottungsbestrebungen bemühen die rechten Kräfte gerne das Christentum, dessen Prinzipien vermeintlich durch Fremde unter Druck geraten.

Der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen widerspricht dieser Demagogie. Mit der jüngsten Ausgabe seines Informationsdienstes „Überblick" leistet er einen Beitrag zur Versachlichung. „Wir Religionsgemeinschaften sind Anwälte des Friedens, nicht der Gewalt", betont der Vorsitzende des Rates, Lutz Braunöhler. Er sieht die örtlichen Gemeinden von Christen, Muslimen und Juden auf einem guten Weg. Ihr gemeinsames Ziel: Verständigung und friedliches Zusammenleben.

Der emeritierte Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff formuliert im „Überblick" seine Dankbarkeit, dass sich so viele Gläubige in den christlichen Gemeinden, Verbänden und Einrichtungen für eine Willkommenskultur engagieren und an der Integration von Flüchtlingen und Migranten mitarbeiten. Er weiß sich in dieser Wertschätzung für religiös inspirierte Solidarität mit Papst Franziskus verbunden. Dieser Einsatz gehöre zu Europa, zu seiner humanistischen, schöpferischen Seele.

Dass Integration keine Einbahnstraße ist, unterstreicht Bernhard Emunds. Der Leiter des Oswald-von-Nell-Breuning-Instituts Frankfurt sagt: „Auch die Gesellschaft, die so viele integriert, muss sich bewegen." Der Sozialethiker fordert ein neues, unverkrampftes Miteinander der Religionen, in der jeder Glauben seinen eigenen Wert hat und auch in den Augen der anderen Bestand hat. Die Kirchen könnten hier Brücken des Dialogs und der Verständigung bauen.

Im Überblick kommen auch Erfahrungen aus der Praxis zu Wort. Gerd Mertens, Referent im Aachener Büro der Regionaldekane, beschreibt den mühsamen, aber lohnenden Aufbau eines Dialogs der Religionen in der Bischofsstadt. Der evangelische Pfarrer Charles Cervigne aus Aldenhoven erzählt, wie seine Gemeinde Flüchtlingshilfe organisiert. Und Idris Malik vom Islamischen Zentrum Aachen sagt: Auch wir Muslime verstehen uns als Solidargemeinschaft.