Wie wird’s etwas für alle?

„Heute bei dir“: Zweites Themenforum drehte sich um das Leitthema „Den Menschen dienen“

Wie wirds etwas für alle? Nachricht (c) Bistum Aachen/ Andreas Steindl
Datum:
Di. 20. Nov. 2018
Von:
Thomas Hohenschue
Sein sozialpastorales Profil hat das Aachener Bistum weit über seine Grenzen hinaus bekannt gemacht. Nun stand dieses Feld im Fokus: beim zweiten Themenforum von „Heute bei dir“. 270 Frauen und Männer sprachen in Aachen darüber, wie die Kirche in zehn, 20 Jahren weiter den Menschen dienen kann.
Wie wirds etwas für alle (c) Bistum Aachen/ Andreas Steindl

Wo und wie leben die Menschen heute? Darauf zu schauen, offen, vorurteilsfrei, ehrlich, war die Einladung, die Bischof Helmut Dieser zu Beginn der Veranstaltung aussprach. Der Prozess „Heute bei dir“ wolle ermutigen, genau hinzuhören und hinzuschauen. In dieser Analyse der heutigen Lebensverhältnisse liege der erste Schritt, um bis 2021 zu gemeinsam getragenen Konzepten für die Pastoral von morgen und übermorgen zu kommen.

Solchermaßen zu Kritik und Selbstkritik ermutigt, legten Teilnehmer so manchen klaren Hinweis auf den Tisch, der einer weiteren Bearbeitung lohnt. So gebe es eine große Spannung zwischen der Lebenswirklichkeit der Menschen und der Morallehre der Kirche. Die Kirche sei auf einem hohen Ross unterwegs, hieß es, sie müsse absteigen und mit den Menschen reden, und zwar lernend, nicht lehrend. Noch schärfer formulierte es eine Teilnehmerin: „Die Kirche hat unzeitgemäße Regeln, kaum einer hält sich daran. Gott liebt jeden Menschen, die Kirche nicht.“ Das gelte sowohl für den Umgang mit Menschen, die anders lebten als nach der reinen Lehre, als auch für den Umgang mit dem kirchlichen Personal.
Nicht jeder und jede wollte so grundsätzlich werden, sondern beschäftigte sich mit konkreten Möglichkeiten vor Ort, in Pfarreien, Verbänden und Einrichtungen. Zu den Menschen in der Nachbarschaft oder der eigenen Altersgruppe hinzugehen, sei das dringende Gebot der Stunde. Selbstkritisch wurde angemerkt: „Viele Gemeinden drehen sich nur um sich selbst. Die Alltagssorgen der Menschen kommen dabei häufig nicht vor.“

Zentrales Thema in vielen Beiträgen: das kirchliche Ehrenamt. In ihm liege der Schlüssel, damit Kirche vor Ort in ihren Grundvollzügen, also auch im Einsatz für die Nächsten, in folgenden Jahren und Jahrzehnten lebendig bleibe. Das bedürfe einer qualifizierten Begleitung, Förderung und Koordination, hieß es in Aachen. Zu solchen guten Rahmenbedingungen gehöre auch ein ordentlicher Umgang aller Akteure auf der viel zitierten Augenhöhe. An dieser mangelt es wohl vielerorts weiter. Vorarbeiten zu einer Ehrenamtskultur mit Qualität gibt es hingegen viele.


Richtige Rahmenbedingungen gesucht

So mancher der versammelten Fachleute und Engagierten stellte im Zuge der Beratung fest, dass die Erkenntnislage in den meisten pastoralen Feldern eine sehr gute sei. Es fehle an etwas anderem. Eine Teilnehmerin brachte diese Kritik auf den Punkt: „Erkenntnisse haben wir alle, aber an der Umsetzung hapert es. Es braucht die richtigen Rahmenbedingungen.“
Jenseits einer solchen generellen Feststellung erbrachte auch das zweite Themenforum am Ende des Tages zahlreiche Einzelhinweise für die Arbeit der Teilprozessgruppen. 40 Arbeitsgruppen hatten sich gebildet, entlang dessen, was jeder und jede mitgebracht hatte. Im Sommer 2019 soll es ein weiteres Forum geben, um die Fragen zu vertiefen.