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Ursula Holzapfel und Ulrich Kollwitz: Historisch

Kolumbien verpasst eine Chance, Frieden zu schließen

Friedenssymbol (c) Thomas Hohenschue
Friedenssymbol
Datum:
Mi. 5. Okt. 2016
Von:
Ursula Holzapfel und Ulrich Kollwitz
Nach dem schockierenden und völlig unerwarteten Ergebnis der Volksabstimmung über den Friedensvertrag zwischen der FARC und der kolumbianischen Regierung brauchten wir erst einmal eine Denk- und Atempause,

um diese schlechte Nachricht zu verdauen, dass das „Nein”, wenn auch denkbar knapp, gewonnen hat. 

Jetzt legen wir eine erste Einschätzung vor. Landesweit gewann überall in den Randgebieten, die am meisten Opfer des Krieges gewesen sind, sowie auch in der Hauptstadt Bogotá, Das „Ja“. In den meisten größeren Städten und den dichter besiedelten Gegenden im Zentrum Kolumbiens dagegen, die weniger unter den Gewalttaten zu leiden hatten, lag das „Nein“ vorne, in Medellín sogar recht deutlich. 

Was ist passiert? Während die Menschen in den Hauptkonfliktzonen schon seit Monaten die Erleichterungen des weitgehend eingehaltenen Waffenstillstands hautnah spüren konnten, wurde die Stadtbevölkerung mit dreisten Lügenkampagnen der Nein-fraktion bombardiert. Es wurde zum Beispiel behauptet, die Guerilleros gingen völlig straflos aus und für die Bezahlung ihres Unterhalts würden die Renten gekürzt. 

Trotz allem hatte niemand mit einem Sieg der Neinkampagne gerechnet, nicht einmal ihre eigenen Verfechter. Ihr Hauptanführer, der Expräsident Alvaro Uribe, hat bisher nicht das Wort ergriffen und seine Partei hat sich nicht an der jetzt von Präsident Santos einberufenen Gesprächsrunde beteiligt. Anscheinend haben sie selber im Moment noch keine klare Vorstellung, wie es jetzt weitergehen soll.

Das Resultat der Volksabstimmung ist rechtlich nicht bindend, die am vergangenen Montag unterzeichneten Verträge sehr wohl. In erster Linie muss Santos sehen, wie er mit dieser politischen Niederlage fertig wird. Er bestand auf der Volksabstimmung, obwohl dazu gar keine Notwendigkeit bestand, denn der Rückhalt des Volkes war bereits durch seine Wiederwahl vor zwei Jahren bekundet worden. Die FARC wollte keine Volksabstimmung,sondern hatte eine verfassungsgebende Versammlung vorgeschlagen, um die Verbindlichkeit der Verträge auf höchster Ebene rechtlich zu verankern. Ob diese Alternative jetzt noch einen Konsens findet, ist fraglich.

Die öffentliche Meinung ist gespalten und niemand weiß, wie es weitergehen wird. Der Frust ist groß. Die Zweifel und Ängste, die sowieso schon bestanden, sind nun noch stärker geworden. Die Befürchtung, dass der Frieden wieder in weite Ferne rückt, sind nur allzu berechtigt. Wir haben während der ganzen Zeit inmitten dieses Konflikts weder mit der FARC noch mit der Regierung sympathisiert. Stets haben wir auf der Seite der Opfer gestanden, und das wird auch weiterhin unsere Position sein. Wir bitten die Christen im Bistum Aachen um ihr Gebet für dieses Land und für alle, die Verantwortung für seine Zukunft tragen.

Die Autoren arbeiten für Justitia et Pax in Kolumbien.