Reden reicht nicht mehr

Der Protest Maria 2.0 hat auch im Bistum Aachen gezeigt, wie wütend die Frauen auf ihre Kirche sind

Auch im Bistum Aachen fordern die Frauen eine Erneuerung der Kirche und Gleichberechtigung, die auch den Zugang zu geweihten Ämtern beinhaltet. (c) Garnet Manecke
Do 23. Mai 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 21/2019 | Garnet Manecke

Es brodelt ordentlich in der Kirche. Das ist auch im Bistum Aachen zu spüren.

Im Vorfeld des Themenforums des „Heute bei dir“-Prozesses in der Bischöflichen Marienschule protestierten in Mönchengladbach Frauen aus ganz Aachen gegen die Strukturen in der Kirche, gegen den Missbrauch und den Umgang damit und gegen den Ausschluss von Frauen von geweihten Ämtern. Der Protest und die Diskussion hat gezeigt: Die Aktionswoche Maria 2.0 ist zu Ende, der Protest aber nicht. Die Wut kocht, und sie wurde jahrelang befeuert: die Ungleichbehandlung von Frauen in der Kirche hat zum Kirchenstreik Maria 2.0 geführt. Wie tief auch im Bistum Aachen der Frust sitzt, zeigen die Erwartungen vieler Frauen, die auf dem Schulhof der Bischöflichen Marienschule protestieren. Mit Plakat-Aufschriften wie „Frauen und Männer sind gleichberechtigt“ erinnern sie an das Grundgesetz, das dieser Tage 70 Jahre alt geworden ist. Sie fordern „Erneuerung jetzt!“ und fassen ihre Gefühlslage knapp zusammen: „Uns reicht’s.“

Etwa 100 Frauen haben sich versammelt, und sie warten auf den Bischof. Als sie erfahren, dass Helmut Dieser nicht den Eingang zum Schulhof benutzen wird, sondern einen auf der anderen Seite des Gebäudes, überlegen die Frauen, den Standort zu wechseln. „Er kann der Sache nicht entfliehen, selbst wenn er einen anderen Eingang nimmt“, sagt Birgitta Brender von der KFD Liedberg. Aber drücken will sich Helmut Dieser keinesfalls, er stellt sich den Frauen, und die reden Tacheles. Als Dieser sagt, dass er ein Problem damit habe, dass die Frauen mit ihrem Streik etwas, das so unendlich wertvoll sei wie ihr Engagement, bestreiken, und er sich wünschte, dass die Frauen ins Gespräch kämen, wird es Monika Schmitz zu bunt. „Seit 22 Jahren gibt es das Netzwerk Diakonat der Frau. Wir haben uns in vielen Diskussionen auseinandergesetzt und zu Gesprächen eingeladen. Aber im Grunde hat man uns immer im Regen stehen lassen“, antwortet sie dem Bischof. „Was sollen wir noch tun, dass man uns mal hört?“ Monika Schmitz ist ehrenamtlich in ihrer Heimatgemeinde Liedberg engagiert, im Netzwerk Diakonat der Frauen und im Vorstand des KFD-Diözesanverbands Aachen. Vor einigen Jahren hat sie in einem Streik noch kein Mittel der Wahl gesehen und auf den Dialog gesetzt. Heute beteiligt sie sich trotz ihres Engagements nicht am Prozess „Heute bei dir“. Warum auch? Es werde sich kaum etwas ändern, ist die 70-Jährige überzeugt.

So wie Monika Schmitz geht es vielen Frauen, die sich seit Jahren in ihren Gemeinden ehrenamtlich engagieren und viele Angebote erst möglich machen. Zu Beginn des „Heute bei dir“-Prozesses mussten sie allerdings feststellen, dass die Rolle der Frauen gar nicht thematisiert wird. Und auch jetzt, beim Kirchenstreik Maria 2.0, haben sie das Gefühl, nicht ernstgenommen zu werden. Wer sich umsieht, stellt fest, dass die Frauen, die hier protestieren, zum größten Teil der Altersgruppe 50 plus angehören, kaum eine ist unter 50 Jahren alt, 40-Jährige und jüngere Frauen sucht man vergebens. „Welcher Frau soll man auch sagen: Du kannst bei uns mitmachen, aber was die Mitbestimmung angeht, sind wir im Mittelalter?“, fragt Ellen Weitz. Die Kritikpunkte der Frauen sind umfangreich und betreffen im Bistum Aachen auch den „Heute bei dir“-Prozess.

 

Kritikpunkte gibt es einige: das Verhalten leitender Priester ist einer von vielen

„Wichtige Themen werden ausgeklammert“, meint Marlene Stähn aus Bettrath/ GdG Maria von den Aposteln. „Wenn nicht klar ist, dass GdG von Laien geleitet werden können, dann ist doch klar, dass die Gemeinden den Priestern hinterherfusioniert werden.“ Auch an der Rolle der Priester ist die Kritik groß: „Die spielen sich auf als Manager.“ Über die Aufteilung der Aufgaben zwischen Priestern und Laien müsste geredet werden, meint auch Dieser. „Was bleibt beim Priester und was kann er abgeben? Das müssen wir klären“, sagt Dieser. Im Publikum gibt eine Frau ihrem Unmut Ausdruck: „Die Frage ist, wer mit ,wir’ gemeint ist. Das sind doch wieder nur die Männer.“ Während ein Teil der protestierenden Frauen nicht aktiv am „Heute bei dir“-Prozess teilnimmt, geht Anne Embser einen anderen Weg. Sie gehört der Teilprozessgruppe „Schulen als Orte von Kirche“ an. „Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht. Das ist eine bunte Gruppe, und unsere Zusammenarbeit ist sehr fruchtbar“, ist ihre Erfahrung. „Wir müssen dem Ganzen eine Chance geben.“ Den Protest der Frauen unterstützt sie trotzdem. „Bei vielen höre ich, dass der Frust seine Wurzeln schon aus einem früheren Prozess hat“, sagt Embser. „Da ich aus Osnabrück komme, habe ich den nicht mitbekommen und bin daher davon nicht berührt.“ Frust in kirchlichen Strukturen kennt sie allerdings auch. In ihrer GdG Maria von den Aposteln hat sie alle ihre Ämter niedergelegt.