Platz für Emotionen und Sachargumente

Kohlegespräche im Nell-Breuning-Haus gestartet

Platz für Emotionen und Sachargumente Nachricht (c) Thomas Hohenschue
Di 11. Dez 2018
Thomas Hohenschue
Das Ende der Kohleförderung und -verstromung im Rheinischen Revier kommt unweigerlich, früher oder später. Heute schon gilt es, die Weichen für den regionalen Strukturwandel zu stellen.
Platz für Emotionen und Sachargumente (c) Thomas Hohenschue

Dafür müssen alle Akteure im Kohlekonflikt ihre verhärteten Fronten verlassen und zum sachlichen Diskurs zurückfinden.Dazu wollen die „Kohlegespräche“ im Nell-Breuning-Haus einen Beitrag leisten.
60 Frauen und Männer kamen zur Erstauflage am 3. Dezember mit der prominenten Umweltaktivistin Antje Grothus. Im Publikum waren alle Positionen vertreten, und zum Konzept des Abends gehörte, dass sie gehört wurden und Platz war für Emotionen und Sachargumente.
Die Verwerfungen in der Bevölkerung des Rheinischen Reviers sind erheblich. Es konkurrieren Ziele miteinander und damit verbunden ganze Wertsysteme. Geht es vorrangig um Beschäftigung und Wertschöpfung? Oder um Umwelt, Natur und Lebensqualität? Zugespitzte Polarisierungen gehörten zum Abend ebenso wie erste konstruktive Brückenschläge. Deutlich wurde: Alle Beteiligten leiden an der aufgeheizten Atmosphäre. Wenn sowohl die Umweltaktivistin als auch ein Kraftwerksdirektor Polizeischutz benötigen, wenn sich Kinder auf dem Schulhof prügeln, weil die Eltern auf verschiedenen Seiten stehen – dann stimmt etwas nicht, dann ist es höchste Zeit, verbal abzurüsten.


Die Hetze hinter sich lassen

Antje Grothus nahm zu allen Einwürfen Stellung. Sie ist in der Kohlekommission aktiv und konnte ein wenig Einblick geben, wobei sie sich an die interne Verschwiegenheitsverpflichtung gebunden fühlte. In ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement bei Bürgerinitiativen und Klimaallianz hat sie sich bereits länger mit dem nötigen Strukturwandel in der Region beschäftigt.
So manches, was sie an die Wand warf als Zukunftsperspektive, welche alle Interessen verbindet, kam nicht nur Manfred Körber, Leiter des Nell-Breuning-Hauses und Moderator des Abends, bekannt vor. In den 90er Jahren begleitete das „Forum der Arbeit“, getragen von Kirchen, Gewerkschaften, Sozialverbänden, den regionalen Strukturwandel. Anlass damals: das Ende der Steinkohleförderung.
Die lebhafte und vielschichtige Debatte des Abends bestärkte die Veranstalter, mit den Kohlegesprächen einen sachlichen Diskurs zu fördern. Die zweite Auflage folgte eine Woche später, mit einer anderen Perspektive, von Malte Lückert, Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie.
Ein Beweggrund, die Reihe zu starten, war für Nell-Breuning-Haus, Katholische Arbeitnehmer-Bewegung und Förderverein Arbeit, Umwelt und Natur: die Hetze in den sozialen Medien. Nach all den konstruktiven Brückenschlägen in Herzogenrath ging es im Netz gleich wieder mit der Polemik los. Frieden braucht Zeit.

Kohlegespräche im Nell-Breuning-Haus (c) Thomas Hohenschue