Kritik mit spitzer Feder

In drei Ausstellungen setzen sich Karikaturisten und ein Fotograf mit weltpolitischen Themen auseinander

Ausstellung Kolumbien Tolima (c) Benedikt Ernst
Do 11. Jul 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 28/2019 | Von Garnet Manecke

Gleich drei Ausstellungen in Mönchengladbach widmen sich politischen Themen rund um Kirche und Schöpfung. Die Foto-Ausstellung in St. Josef Hermges dokumentiert das Leben und die politische Situation der indigenen Bevölkerung Kolumbiens. In St. Marien Rheydt werden Kirchen-Karikaturen von Nik Ebert gezeigt und in der Zentralbibliothek widmen sich 99 Karikaturen dem Klima, Konsum und anderen Katastrophen.

Vor 50 Jahren wurde die Aktion Friedensdorf in Mönchengladbach gegründet. Der private Verein sammelt Spenden, mit denen er den Bau von Schulen und Krankenstationen in Dritte-Welt-Ländern finanziert. Ein Schwerpunktland des Vereins ist Kolumbien, das auch seit Jahren Partnerland des Bistums Aachen ist. Die Heimatgemeinde des Gründers und langjährigen Vorsitzenden des Vereins, Helmut Göbel, ist St. Josef Hermges. Vor diesem Hintergrund war es für Pfarrer Norbert Kaniewski klar, dass er die Ausstellung „Was bleibt von der Hoffnung?“ nach Mönchengladbach holen wollte, als er sie in der Citykirche Aachen sah. In 72 Schwarz-Weiß-Fotos dokumentiert der Kölner Fotograf Benedikt Ernst die Lebensumstände der indigenen Bevölkerung in Kolumbien. Dafür hat er im November 2018 die Partnerorganisation des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Aachen, die Fundación Universal Colombia, bei ihrer Arbeit begleitet. Für ihr Engagement ist die Organisation 2018 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet worden.

Die Fotos zeigen Alltagssituationen: eine Frau näht in Heimarbeit, Kinder in der Schule, Menschen bei der Feldarbeit, Kontrollen auf der Straße. Sie zeigen alte Menschen, denen das Leben tiefe Furchen in das Gesicht gezeichnet hat, und singende Kinder, Landschaften und Slums. Die Bilder sind jeweils einem Thema zugeordnet, das in einem Text erläutert wird. Die Ausstellung erlaubt einen Blick in eine Welt, die in unserer Gesellschaft kaum jemand kennt. Man lernt den Widerstandskämpfer Quitín Lame kennen, der seit seinem Tod 1967 als Nationalheld verehrt wird. Man erhält einen Einblick in die Autonomie in den Reservaten, die auch Gesetzgebung und Schulwesen einschließt – allerdings keine Qualifikationen für ein Studium ermöglicht und damit den sozialen Aufstieg verhindert. Wer durch die Ausstellung geht, lernt, wie sich das Konsumverhalten in Industrieländern auf die Lebenssituation in Kolumbien auswirkt. Die Fotos von Benedikt Ernst zeigen das auf eine sehr künstlerische Art und Weise.

Nicht immer muss man ernst sein, wenn man auf Missstände hinweist und den Finger in die Wunde legt. Der Karikaturist Nik Ebert verlängert seinen Finger mit dem Zeichenstift. Worauf er zeigt, da tut es weh. Trotzdem muss man lachen. In der Ausstellung „Die Kirche im Dorf“ werden 18 Karikaturen von Ebert gezeigt. Klaus Hurtz, Leiter der Pfarrei St. Marien Rheydt, hat sie gesammelt. Die Aufarbeitung der Fälle von Missbrauch, die Haltung der Kirche zum Umgang mit Flüchtlingen, die Uneinigkeit der Weltkirche, wohin sie sich bewegen soll, oder die Schwierigkeiten als Brückenbauer, weil die Pläne verkehrt herum gehalten werden: Der Karikaturist hat keine Berührungsängste. Die Bilder treffen den Punkt. Sie sind deshalb lustig und tun auch ein bisschen weh.

Der Rundgang wird eröffnet mit zwei Karikaturen von Pfarrer Klaus Hurtz, dessen Augen hinter dem vollen Haar verschwinden, und von Pfarrer Manfred Rietdorf, der liebevoll über seine „Schäfchen“ wacht. Die Ausstellung ist Teil der Reihe „Goldene Brücken“ zu Rietdorfs goldenem Priesterjubiäum, das im September mit einem großen Fest gefeiert wird.

„Dies alles, mein Sohn, wird eines Tages Dir gehören“, sagt der Fisch-Vater zu seinem Nachwuchs. Die beiden recken ihre Köpfe aus dem Wasser und schauen dabei auf eine kleine Insel. Der Strand ist übervoll, das Hotel direkt am Wasser, auch die Palmen bekommen schon nasse Füße. Der Klimawandel macht den Untergang möglich, die Fische freuen sich schon. Es ist ein bedrückendes Szenario und doch muss man zumindest schmunzeln, wenn man die Karikatur von Erik Liebermann in der Zentralbibliothek sieht. Sie ist eine von 99 Karikaturen der Misereor-Ausstellung, die sich mit „Klima, Konsum und andere Katastrophen“ befassen, wie der Untertitel sagt. Die Inititiative „Fairtrade Town“ hat die Ausstellung „Glänzende Aussichten“ nach Mönchengladbach geholt. So mancher wird sich ertappt fühlen, wenn er die Karikaturen sieht. Denn es sind die Absurditäten des Alltags, die hier gezeichnet sind. Aber es gibt Hoffnung für Welt: „Ab 2020 retten wir dich! Versprochen!!“, lässt Klaus Stuttmann eine Gruppe Männer der untergehenden Welt zurufen.