Heilige Prekaria, hilf gegen drohende Armut!

Der Diözesanverband der KAB beteiligt sich an der Kampagne „Kenn deinen Wert!“ zum Thema Mindestlohn

Gemeinsam mit der heiligen  Prekaria (erkennbar an Eimer und Staubwedel) für fairen Mindestlohn. (c) Andrea Thomas
Datum:
Di 10. Mär 2020
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 11/2020 | Andrea Thomas

Seit dem 1. Januar beträgt der Mindestlohn in Deutschland 9,35 Euro. Vor Armut schütze diese Summe nicht, sagt die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und macht dagegen mobil.

Mit einem Goldtaler (ein Schokoladen-Euro) konnten sich Passanten am Stand der KAB auf dem Aachener Münsterplatz zum Mindestlohn positionieren. (c) Andrea Thomas

Seit dem 1. Januar beträgt der Mindestlohn in Deutschland 9,35 Euro. Vor Armut schütze diese Summe nicht, sagt die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und macht dagegen mobil. Gute und faire Löhne sollten die Existenz eines arbeitenden Menschen und seiner Angehörigen sichern, soziale Sicherheit und Teilhabe und ein Leben in Würde und Freiheit ermöglichen. Das sieht der Verband mit einer Lohnuntergrenze von etwas mehr als neun Euro pro Stunde nicht gewährleistet. Auch reiche das nicht für eine spätere Rente und führe zu ergänzender Grundsicherung. Seine Forderung ist ein Mindestlohn von 13,69 Euro. Der aktuelle Satz von 9,35 Euro sei trotz Vollzeitarbeit für eine Familie eine Armutsfalle und schaffe Altersarmut, erklärt Andris Gulbins, Diözesansekretär der KAB Aachen.

„Die Höhe des Mindestlohns ist eine gesellschaftspolitische Frage und muss sich an der EU-Definition der Armutsgefährdung von 60 Prozent des Durchschnittseinkommens orientieren“, lautet seine Forderung. Beim Thema Mindestlohn hinkt Deutschland europaweit hinterher. Der Diözesanverband beteiligt sich an der bundesweiten KAB-Kampagne „Kenn deinen Wert!“, die Arbeitnehmer auffordert, sich für eine faire Bezahlung stark zu machen, die Armut vorbeugt. Besonders betroffen von einem zu niedrig angesetzten Mindestlohn sind Frauen, da sie immer noch bis zu 21 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen, nach wie vor einen großen Teil der Familienarbeit übernehmen und häufiger in Teilzeit oder in schlecht bezahlten Berufen arbeiteten. 

 

Ein Euro dafür oder dagegen

Die Schutzheilige schlecht bezahlter Menschen tritt daher auch meist in ihrer weiblichen Form als „heilige Prekaria“ auf. So auch im Rahmen einer Aktion der KAB im Bistum, die als Teil der bundesweiten Kampagne auf dem Aachener Münsterplatz stattfand. Zwischen den Gesprächen mit Passanten sprach Diözesanpräses Ralf Linnartz immer wieder das Gebet an die Heilige (die es leider nicht wirklich gibt). Darin wird unter anderem um Schutz für „die Abhängigen der Handelsketten, die Engel der Call-Center“ und „die Mitarbeiter, welche an einem seidenen Faden hängen“ gebetet, sowie für die „Seelen mit befristeten Verträgen, gequält von den heidnischen Gottheiten des freien Marktes und der Flexibilität“.  Außerdem gab es die Möglichkeit, einen goldenen Schokoladen-Euro in eine von zwei Schalen zu legen und so seine Zustimmung oder Ablehnung für die Mindestlohnforderung der KAB auszudrücken. Über die kreative Aktion gelang es, Aufmerksamkeit für ein Thema zu erreichen, das gerne ausblendet, wen es nicht direkt betrifft, das aber eigentlich jedem – egal ob gut oder schlecht verdienend – schon allein deshalb ein Anliegen sein sollte, weil jeder Mensch an sich einen Wert hat.