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Lebendige Kirche
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Friedens-Partner

Padre Manuel Hernando Vega ist kolumbianischer Beauftragter für die Partnerschaft

Kolumbien_Nachricht (c) Thomas Hohenschue
Kolumbien_Nachricht
Datum:
Di. 22. Nov. 2016
Von:
Thomas Hohenschue
Deutschland im November. Ganz schön kalt ist es. Aber beeindruckend, wie hier alles organisiert ist.
Kolumbien_Quadrat (c) Thomas Hohenschue
Kolumbien_Quadrat

Dieses System von Bussen und Bahnen. Die Qualität des Straßennetzes. Die Sicherheit in den Städten und Dörfern. Das kennt man in dieser Form nicht aus der Heimat.

So die ersten Eindrücke eines Gastes aus dem Partnerland des Bistums Aachen: Padre Manuel Hernando Vega León. Der 45-Jährige ist seit einem Jahr der Beauftragte der kolumbianischen Bischofskonferenz für die Partnerschaft.

Bereits vor seiner Geburt wurde diese Partnerschaft aus der Taufe gehoben: vor mehr als 50 Jahren. Genauso lange beherrscht ein blutiger Konflikt Teile des lateinamerikanischen Landes. So schloss sich ein Kreis, als Padre Manuel bei seinem Antrittsbesuch auch in die Eifel reiste, zur ehemaligen Ordensburg Vogelsang. Dort erlebte er den ersten Schnee seines Lebens – und zugleich berührte ihn die Wucht der geschichtlichen Mahnung, die von dem Stein gewordenen Größenwahn der Nationalsozialisten ausgeht. Dass nach all den Gräueltaten die europäischen Nachbarn friedlich mit den Deutschen leben und umgehen, ist ihm ein Hoffnungszeichen für Kolumbien. Versöhnung ist die Vision, welche die Kirche im Partnerland sich auf die Fahnen schreibt. Die kolumbianische Bischofskonferenz hat sie zum Schwerpunkt des kommenden Jahres ausgerufen.

Der Zeitpunkt ist gut: Es wird weiterverhandelt. Dass das Referendum über den ersten Friedensvertrag scheiterte, wertet Padre Manuel im Nachhinein eher positiv. So wüchsen die Chancen, dass die Vereinbarungen auf Dauer tragen und wirklich Frieden in allen Regionen einkehrt. Der Kirche kommt eine wesentliche Rolle zu, wenn denn einmal die vertragliche Grundlage geschaffen ist. Sie wird sich aktiv an der Versöhnungsarbeit beteiligen. Zum Beispiel wird sie bei der Resozialisierung von Kämpfern helfen. Die Aufgabe ist gewaltig: Es gibt Tausende 40-Jährige, die seit ihrem 15. Lebensjahr nichts Anderes als Gewalt kennen.

 

Versöhnung erfordert ganz viel Arbeit

Wenn nicht mehr Drogenhandel und andere kriminelle Geschäfte das Familieneinkommen sichern, braucht es Übergänge und Hilfen. Die Stadtteile benötigen Konzepte, wie das Gemeinwesen sich auf friedliche Weise weiterentwickelt. Die kolumbianische Kirche begleitet diese Prozesse mit einer Sozialpastoral, die in den direkten Austausch mit den Einwohnern geht. Diese stadtteilbezogene Arbeit kennt man auch aus dem Bistum Aachen – hier wie dort geht es um die Einbeziehung der Blickwinkel, Bedürfnisse, Ideen und Tatkraft der Menschen vor Ort.

 

Von der kolumbianischen Kirche lernen

Seit Padre Manuel der Kolumbienbeauftragte seiner Bischofskonferenz ist, hat sich sein Blick auf die Partnerschaft geweitet. Er kommt aus dem klassischen Kontext, welcher dem Ganzen zu Grunde liegt: aus der Priesterausbildung. 17 Jahre war er selbst in einem Seminar als Ausbilder tätig, drei Jahre als Regens, jetzt ist er auf nationaler Ebene für Weiheämter und geweihtes Leben zuständig. Für die Förderung der Priesterausbildung ist er ausgesprochen dankbar und sieht viele gute Früchte. Im Gegensatz zu manch anderen Ortskirchen bestellt die kolumbianische Kirche zunehmend ihre Bischöfe aus eigenen Reihen, auf Basis einer hoch qualifizierten Ausbildung.

Als Einbahnstraße sieht Pade Manuel die Partnerschaft nicht. Die deutsche Kirche könne von den Erfahrungen lernen, welche die Kolumbianer in ihren Großstädten machen. Dort sind Freikirchen und Säkularisierung auf dem Vormarsch.

Padre Manuel Hernando Vega (c) Thomas Hohenschue