Euch schickt der Himmel!

Mit zahlreichen Aktionen machten junge Menschen bei der 72-Stunden-Aktion die Welt ein bisschen besser

In Düren schwangen Schülerinnen der  St.-Angela-Schule für die Dürener Tafel  die Suppenkellen. (c) Dorothée Schenk
Di 28. Mai 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 22/2019

Ob für bedürftige Menschen gekocht, Tierunterkünfte ausgebessert oder triste Häuserwände verschönert – in allen acht Regionen des Bistums Aachen packten junge Menschen mit an, um anderen Menschen eine Freude und die Welt ein bisschen besser zu machen. In einige Projekte hat die KirchenZeitung hineingeschaut. Hier eine Auswahl:

„Cool, einfach cool“, strahlte die 43-Jährige, die begeistert der Einladung der Schülerinnen der Klasse 9c der Bischöflichen St.-Angela-Schule gefolgt war. Sie war eine von 72 Gästen der Dürener Tafel, die die Mädchen anlässlich der 72-Stunden-Aktion zum dreigängigen selbstgekochten Menü zu Tisch gebeten hatten. Die Tische hatten einige Mädchen schon im Schulgarten am Nachmittag vorbereitet, während in der Küche Spargel geschält, das Grillgut vorbereitet und die Erdbeeren für den Nachtisch geputzt wurden. Bei den Salaten, verrieten die Mädchen, haben die Mütter unterstützt. Auch wenn der Höhepunkt innerhalb der 72-Stunden-Aktion lag, waren die Schülerinnen einen Monat lang mit ihrem Projekt beschäftigt, denn sie sind persönlich zur Tafel gegangen, um die Menschen einzuladen. Erst waren die potenziellen Gäste skeptisch, erzählen Hesna Ciloglu, Celine Bürger, Julie Hochmann und Seyma Kaya, die am Eingang die Gäste im Empfang nehmen. Aber an diesem Abend strömen sie. Besonderes Bonbon: Das „Lobpreis-Projekt 11“ um Schulseelsorger Rudi Hürtgen spielte als Tischmusik auf. „Und passend dazu gutes Wetter“, strahlt Hesna. (tee)

 

„Was muss ich denn jetzt machen?“ Die Grundschülerin steht vor der großen Karte Südamerikas. Sarah Schmanke und Alina Dömges von der Anne-Frank-Gesamtschule (AFG) haben das Spiel aus ihrer Schule mitgebracht, das genau erklärt, worum es an diesem Vormittag auf dem Platz an der Hauptstraße 91 in Viersen geht: Die Menschen sollen verstehen, warum das AFG seit langen Jahren das Kinderhaus-Projekt „Árbol de la Esperanza“ – Baum der Hoffnung – unterstützt. Kinder in Quiño verkaufen Prospekte, Ketten oder müssen Kunststückchen machen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen – genau das lassen Sarah und Alina die Spieler in den Aktionskarten nachempfinden. Manchmal heißt es aber auch: „Du hast Glück gehabt!“ Dann darf der Spieler noch einmal würfeln. Riesenstimmung machten die „Arbolitos“ – und das auch im Wortsinn, denn das Orchester der AFG sorgte für Partystimmung auf dem Platz – mit dabei die Koordinatorin der Aktion, Schulseelsorgerin Monika Jöris am Baritonsaxophon. Insgesamt sechs Akteure haben sich anlässlich der 72-Stunden-Aktion zu dieser Straßenaktion zusammengeschlossen. Aber es ging nicht nur um Aufmerksamkeit: Dafür, dass die Kasse geklingelt hat für den guten Zweck, sorgten der Büchertrödel, den die Klasse 6 der Realschule an der Josefskirche mit den „Arbolitos“ um Gaby Abelt initiierte, mit Bücherspenden des Antiquariats „Der Philosoph“. (tee)

 

Die Gemeinde St. Andreas in der Aachener Soers hat sich als Jahresaktion dem Klima-Wandel(n) verschrieben. Klar, dass da auch die Messdiener nicht zurückstehen wollten, die ihre Idee in ihre 72-Stunden-Aktion verwandelt haben. Inspiriert vom Motiv des aktuellen Misereor-Hungertuchs, wollten sie ihre Gedanken zu Schöpfung, Klimawandel und zu unserer Verantwortung für unsere Erde im Bild festhalten. Die einzige Leinwand, die dafür groß genug war, ist die Wand an den Parkplätzen zum Pfarrbüro neben der Kirche. Unterstützt von Graffiti-Künstler Michael Gerst und einigen Erwachsenen haben acht Mädchen und Jungen zwischen elf und 14 Jahren darauf ein farbenfrohes Statement gesprüht. Zu sehen sind Beispiele dafür, was unsere Welt so schön macht, aber auch all das, womit wir unsere Erde zerstören. Ihr Umfeld, in dem Fall das Ponttor, ein bisschen schöner gemacht hat auch der Stamm Heilig Kreuz der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG). Die Pfadfinder haben die Wände der Unterführung gestaltet und auf der Wiese vor dem Ponttor einen Kräuter- und Gemüsegarten angelegt. Wer mag, darf miternten, aber auch gerne mitgießen. Auch sonst waren in Aachen viele junge Weltverbesserer unterwegs. Mit dabei war auch die Islamische Jugend, die, unterstützt von Pate Khalid Bounouar, an die Gäste des Obdachlosenfrühstücks in der Franziska-Schervier-Stube sowie Menschen ohne Obdach in der Innenstadt Falafel, Obst und Süßes verschenkt haben. Ein Geschenk des Himmels zu sein, ist keine Frage der Religion. (ath)

 

Vier Stunden lang waren während der 72-Stunden-Aktion elf Iraner und sechs Deutsche unter dem Projekttitel „Neue Nachbarn“ Seite an Seite im Familienzentrum Schleiden im Einsatz, um in der Katholischen Kindertagesstätte „St. Philippus und Jakobus“ in den Außenanlagen so richtig für Ordnung zu sorgen. „Wir bekommen so viel Hilfe hier – wo können wir einmal helfen?“ Mit diesem Anliegen waren die Flüchtlinge auf Andreas Funke von der Flüchtlingsseelsorge Region Eifel zugekommen und waren spontan begeistert, als sie den Flyer sahen und hatten auch gleich die Idee, den Kindergarten unterstützen zu wollen. „Sie waren nicht mehr davon abzubringen“, erzählt Funke. Eigeninitiativ sind sie zum Kindergarten gegangen und trafen bei der Leitung sofort auf offene Ohren: „Wir brauchen unbedingt Hilfe, um eine Wassermatschanlage zu graben, Unkraut zu jäten, Blumen zu pflanzen, Bänke zu streichen …“ Völlig begeistert war Frau Feige, als stellvertretende Leitung der Kindertagesstätte von diesem Engagement, von der „Bereitschaft, vorbehaltlos helfen zu wollen, ohne einen Nutzen davon zu haben!“ Als „Dankeschön, dass wir helfen durften“, gab es noch ein bleibendes Geschenk dazu: Asaad, in ihrem Heimatland Iran eine anerkannte Künstlerin, hat ein Bild gemalt, in dem ein Flüchtlingskind und ein deutsches Kind in Freundschaft vereint sind. (tee)

 

Der Storch wendet seinen Kopf ab, und die Gänse am Eingang des Tiergartens in Mönchengladbach-Odenkirchen fauchen, wenn man dem Gitter zu ihrem Gehege zu nahe kommt. Kein Wunder: Mit dem geplanten Stall für die Gänse und Störche wird es nichts. Die Jungschützen des Bundes der St.-Sebastianus-Schützenjugend Mönchengladbach, Rheydt und Korschenbroich mussten umdisponieren. Statt Bretter zu bohren und zusammenzuschrauben, tragen die Jugendlichen dunkelbraune Lasur auf die Holzwände im Gehege der Rotnackenwallabys auf. Es hatte Schwierigkeiten bei der Materiallieferung für die neue Storchen-Unterkunft gegeben. Auch mit dem geplanten Schützenzelt im Meerschweinchengehege wird es nichts. Aber das soll nachgeholt werden, sagt Schützenjugend-Sprecher Sebastian Schnock. „Wir wollen, dass etwas Sichtbares bleibt, das an die Aktion erinnernt.“ So wundern sich manche Tier- garten-Besucher, dass im Gehege statt Kängurus Jugendliche sind. Die Mini-Kängurus, deren Unterkunft Maurice (17), Lars (14), Felix (15) und Max (13)optisch verschönern, wurden mit ihren Jungtieren im Nachbargehege untergebracht. Die Jungen haben ihre Arbeit aufgeteilt: Maurice, Lars und Felix streichen, Max hält die Leiter fest. Donnerstagnachmittag haben sie angefangen, bis Samstagabend wollen sie fertig sein: In ihrem Dorf ist Schützenfest. Bevor es ins Festzelt geht, werden auch noch die Unterkünfte der Alpakas und der Windhunde aufgefrischt. Bald werden die Jungen wiederkommen: Den Meerschweinchen fehlt ja noch das Schützenzelt. (gam)

 

Auch in der Region Aachen-Land waren zahlreiche Kinder und Jugendliche im Einsatz. Zum Beispiel im Nell-Breuning-Haus in Herzogenrath, wo 25 Mädchen und Jungen der Christlichen Arbeiter-Jugend im Bistum Aachen binnen kurzer Zeit eine vernachlässigte Brache in einen attraktiven Niedrigseilgarten verwandelten. Dort können künftig Jugend- und Schülergruppen spannende Kooperationsübungen auf schwingenden Seilen machen. Außerdem lädt eine Sitzecke mit Hochbeeten zum gemütlichen Chillen an der Feuerschale ein. All das in so kurzer Zeit durch eigene Planung und Tatkraft hinzuzaubern, war eine gute Erfahrung für alle Beteiligten. Auch Weihbischof Johannes Bündgens bestaunte diese Meisterleistung. Fleißig gewerkelt wurde ebenfalls anderenorts, da bekamen Spielplätze eine Generalüberholung, wurden Gräber gepflegt und wurde alten Menschen eine Freude gemacht. Oder denen, die sich tagtäglich um sie kümmern. Ehrenamtliche und Jugendliche aus dem Jugendzentrum HOT in Herzogenrath haben Kuchen gebacken für die Mitarbeiter des gegenüberliegenden Seniorenwohnheims. Denn die könnten nicht einfach Freitagabend Feierabend machen, sondern seien auch am Wochenende und an Feiertagen für die Bewohner da. Eine süße Geste von Weltverbesserer zu Weltverbesserer, für die es auch lobende Worte von Bischof Helmut Dieser gab. (thh/ath)

 

So schmeckt Kolumbien! Da konnten sich die Aktiven und die Gäste Arepas, Maisfladen mit Käse, Empanadas, fritierte Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen, und einen Eintopf aus dicken Bohnen und Reis auf der Zunge zergehen lassen und mit kolumbianischer Limonade, Bier und Zuckerrohrschnaps nachspülen – eigens dafür waren in Krefeld ansässige Kolumbianer auf den Platz Kirschenbüschgen bei Uerdingen gekommen. Vorurteile abbauen und Wissen aufbauen, das war das Ziel, erklärt Nina Helesky als Koordinatorin der DPSG, die das Partnerland des Bistums Aachen in den Mittelpunkt ihrer 72-Stunden-Aktion stellte. Am „anderen Ende der Welt“, im Partnerprojekt „Juntos construimos con mundo mejor“ wurde zeitgleich eine ähnliche Aktion gestartet – ein kontinenteübergreifendes Projekt. Hier wie dort war das Thema „Fairtrade“, Recycling und Umwelt im weitesten Sinne: Müll vermeiden, Müll trennen und „Upcycling“, also kreativ werden mit wiederverwertbarem Abfall. Der Verbindungsaufbau für das geplante Skype- Gespräch zwischen den Projektpartnern gelang leider nicht. Dafür das dritte Projekt innerhalb der (fast) vollständig ausgeschöpften 72 Stunden: Die älteren Pfadfinder zogen los, um die Stadt und den ÖPNV auf Barrierefreiheit zu überprüfen. Höhepunkt war der Besuch im Krefelder Zoo, der den „Aktivisten“ freien Eintritt gewährte. (tee)

 

Etwas Gutes tun und dabei die Lehrer ein bisschen schröpfen: Zur 72-Stunden-Aktion haben die Schüler des Cornelius-Burgh-Gymnasiums in Erkelenz beides optimal verbunden. Bei der internationalen Mittagspause mussten die Lehrer für die Leckereien aus zehn verschiedenen Ländern höhere Preise bezahlen als die Schüler. Anithas Familie hat ihre Wurzeln in Sri Lanka. Die Elfjährige hat deshalb für den Stand Laddhus mitgebracht, ein süßes Konfekt, das es in Sri Lanka zu Festtagen gibt. Zusammen mit Abarna (13), Nina (13) und Caroline (14) stellt Anitha den Inselstaat im Indischen Ozean vor. „Ich habe gelernt, dass da Buddhismus und Hinduismus die zwei Hauptreligionen sind“, erzählt Caroline. Am Stand von Rumänien gibt es Sermale: Kohlblätter, die gefüllt sind mit einer Mischung aus Reis und Gemüse. „In Rumänien gibt es sehr viele leckere Sachen“, sagt Angelina (12). „Und da werden noch Traditionen gelebt, die es hier längst nicht mehr gibt.“ Zwei Tische weiter gibt es zum USA-Quiz Pancakes, auf Wunsch mit klassischem Ahornsirup. Mexiko ist mit gefüllten Tortillas vertreten, Russland mit Kartoffelplätzchen und bei Pakistan gibt es zum kulinarischen Genuss noch einen kleinen Sprach-Schnupperkurs. Entstanden ist die internationale Mittagspause durch eine Idee des Eventteams der Schulpastoral. Der Erlös wird an ein Projekt gegen Kinderarbeit gespendet. (gam) 

Die 72-Stunden-Aktion im Bistum Aachen

Eine Auswahl der Projekte in Bildern:

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