Eine Stimme für die Arbeitslosen

Die Autorin Undine Zimmer besuchte bei ihrer Lesereise durch das Bistum auch den Volksverein

Undine Zimmer (c) Andreas Labes
Datum:
Fr 6. Mai 2016
Von:
Garnet Manecke
Hartz IV steht für Ausgrenzung, Isolation und eine psychische Belastung. Denn der Gang zum Amt, die Abhängigkeit und Perspektivlosigkeit werden als Demütigung empfunden. Was das in der Realität bedeutet, zeigte die Autorin Undine Zimmer bei ihrer Lesung im Volksverein.
Nadine Zimmer (c) Andreas Labes

„Was die Undine gesagt hat, habe ich auch oft erlebt“, sagt Gudrun Kolbe. Die 57-Jährige lebt seit der Trennung von ihrem Mann von Hartz IV. Der Gang zum Amt, der Einkauf
mit einem äußerst begrenzten Budget, dass sie für einen Besuch im Café auf etwas anderes verzichten muss, dass sie sich immer wieder erklären soll, warum sie keine Arbeit
bekommt und der andere erklären wollen, wie sie mit ihrem Geld umzugehen habe: Früher hat sie sich allein und mutlos gefühlt. Aber Gudrun Kolbe ist keine Frau, die aufgibt.
Mit ihrem Arbeitsberater hat sie darüber gesprochen, was sie machen könne. So ist sie zu einem Ein-Euro-Job beim Volksverein gekommen. „Hier habe ich wieder Menschen
getroffen und Freundschaften geschlossen“, sagt sie. Und sie macht neue Erfahrungen. Zum Beispiel die, dass sie schreiben kann und dafür sogar Applaus bekommt.

Die Autorin Undine Zimmer kennt das Gefühl, wenn das Geld an allen Ecken und Enden fehlt. Sie ist in einer Hartz- IV-Familie aufgewachsen und hat ein Buch darüber geschrieben. Schnörkellos beschreibt sie darin, wie es dazu kam, dass ihre Eltern beide langzeit-arbeitslos wurden. Wie Familienfeste abliefen, warum ein Trinkpäckchen ein Statussymbol sein kann und wie demütigend es ist, auf dem Amt darauf zu warten, endlich beim Berater vorsprechen zu dürfen. Zimmer jammert nicht, sondern sagt einfach, wie es aus ihrer Sicht war – und am Schluss ihres Buches steht eine Liebeserklärung an ihre Eltern. Die liest sie zum Ende ihrer Lesung vor.

Zu Beginn wagt sich Gudrun Kolbe auf die Bühne, an ihrer Seite Sozialarbeiterin Stefanie Neumann. Die beiden lesen einen Dialog aus SMS-Nachrichten, der morgens im Schreib- Workshop entstanden ist. Zusammen mit acht anderen Besuchern des Volksvereins war Gudrun Kolbe dabei. „Ich habe noch nie geschrieben“, erzählt sie hinterher. „Nur
Briefe, aber da stand nie was Vernünftiges drin.“ Auch die Ergebnisse der anderen können die Besucher lesen: Gedichte, Textfragmente und Kurzgeschichten.

„Undine ist eine Stimme für Langzeitarbeitslose“, sagt Gudrun Kolbe über die Autorin des Buches „Nicht von schlechten Eltern“. Zimmer wirbt mit ihrer Geschichte um Verständnis. „Eigentlich geht es nicht um mich“, sagt Undine Zimmer. „Ich bin nur ein Beispiel. Für manchen ist schon unheimlich schlimm, was ich erlebt habe. Andere sagen, dass sei ja gar nicht so schlimm gewesen. Und beide haben Recht.“

Dass jeder seines Glückes Schmied sei, bezweifelt Zimmer. „Ich bin damit nicht einverstanden, weil nicht alle die gleichen Werkzeuge zur Verfügung haben“, sagt sie. „Und jeder weiß, dass man mit einer schlechten Bohrmaschine nicht das machen kann, was man möchte.“ In ihrem Buch zeigt sie an vielen Stellen auf, warum das so ist.

Eingeladen wurde Undine Zimmer im Vorfeld der Solidaritätskollekte für Menschen ohne Arbeit. In den Gottesdiensten am 7. und 8. Mai wird für Arbeitslosenprojekte gesammelt.

Paten gesucht

Crowdfunding Zusammen mit der Volksbank startet der Volksverein zur Finanzierung eines Arbeitsplatzes ein Crowdfunding- Projekt.

Paten Im Netz unter https://voba-mg.vieleschaffen-mehr.de/elektropruefung  können sich Paten registrieren. 90 Paten mit einem Mindesteinsatz von fünf Euro werden gesucht.